Saison 2012 – Ein Rückblick & Silvesterlauf Essen 2012

2012 war für mich ein besonderes und sehr spannendes Jahr und irgendwie kam alles ein wenig anders, als ich es mir vielleicht vorgestellt hatte, aber fangen wir doch mal von vorne an:

WaldlaufserieDas Jahr fing ziemlich schnell mit der Waldlaufserie des Tusem Essen an, zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings noch gar nicht in Form, die Zwangspause Ende 2011 hatte leider seine Spuren hinterlassen, sowohl an meiner Form als auch an meinem Gewicht. Die Form kommt in der Regel recht schnell wieder, für das Gewicht muss man da schon mehr tun und 107 kg waren im Januar mein Ausgangspunkt für 2012. Zum Glück kam mir da mein erstes Wettkampfhighlight dieses Jahr genau richtig gelegen, ich wollte wie schon letztes Jahr den Düsseldorf-Marathon laufen und der dazugehörige Trainingsplan würde helfen mein Gewicht wieder in den Griff zu kriegen. Das Training für den Marathon lief ganz okay, es hätte mit mehr Disziplin auf jeden Fall besser laufen können, gerade die langen Läufe bereiteten mir doch Probleme (30 km mit 105 kg laufen ist definitiv kein Kindergeburtstag! ).
IMG_9071 Genau pünktlich zu meinem dritten Marathon (Finish in 4:44;19) wurde ich dann in der Trainingsgruppe von Ernst-Peter Berghaus im Team Essen’99 aufgenommen und das sollte mein Jahr noch nachhaltiger beeinflussen, als ich damals gedacht hätte. Ab sofort gab es drei feste Termine in der Woche, an denen trainiert wurde, alles andere lag in meiner Hand. Die Einheiten mit der Trainingsgruppe waren immer sehr intensiv, wir haben viel Tempotraining gemacht aber als erstes hat sich Peter meinen Laufstil angesehen und gehörig korrigiert, die Effekte habe ich sofort nach ein paar Trainingseinheiten gemerkt. Auch Lauf-ABC und Koordinations-/Athletiktraining stand auf einmal auf der Tagesordnung, davon hatte ich bisher nur gelesen und es komplett ignoriert.

10 km Ende Mai stand dann mein erster Wettkampf für das Team Essen’99 an, knapp einem Monat nach meinem Eintritt sollte es ein 10 km Wettkampf beim FC Straberg sein und ich wollte meine Bestzeit angreifen (bis dahin bei 52:07). Bei 27°C und knallendem Sonnenschein ging es auf die Strecke, nach ein paar KM nahm mir Peter dann sogar meinen Forerunner (und damit jegliche Kontrolle) ab und ich musste mich voll und ganz auf mein Gefühl verlassen. Im Ziel war ich fix und fertig und hatte alles gegeben, die Belohnung war eine neue Bestzeit von genau 50:00. In den Verein zu gehen war die beste Entscheidung überhaupt, wer hat schon die Chance von so einem erfolgreichem & erfahrenen Trainer gecoached zu werden?

DSC_7916Seit dem Eintritt wurde 2012 immer mehr zu meinem Jahr, ich habe meine Prioritäten darauf gelegt, dass ich erstmal schneller werden möchte auf den „kurzen“ Strecken, das hat ja auch wunderbar geklappt. Ende Juni beim Allbaulauf lag ich über 5km noch bei 25:22, Mitte September lief ich in Brüggen dann eine neue Bestzeit von 22:19 und konnte mein Ziel einer Sub23 locker erreichen. Irgendwie hatte ich es geschafft dritter meiner Altersklasse zu werden und fand mich am Ende auf dem Siegertreppchen wieder, ein neues und schönes Gefühl, kann man sich echt sehr gut dran gewöhnen.
Beim Schlossquellelauf im Oktober wollte ich es dann nochmal wissen, irgendwie lief an dem Tag einfach alles rund und am Ende hatte ich mir 21:46 schon wieder eine neue Bestzeit. Manchmal steckt dann vielleicht doch mehr in einem, als man sich auf Anhieb zutrauen würde. 🙂

Urkunde SilvesterlaufZum Jahresabschluss gab es dann nochmal einen Höhepunkt, den Silvesterlauf auf Zollverein, organisiert und durchgeführt vom Team Essen’99. Auch wenn ich ursprünglich für 5 km gemeldet war, wollte ich doch lieber nochmal die 10 km angreifen und tauschte kurzerhand mit einem Teamkameraden. Am Start hatte ich ein gutes Gefühl, das Laufwetter an Silvester hätte echt nicht besser sein können und ich wusste einfach, dass ich heute schneller sein würde als 50:00. Vom Start weg lief ich ein Tempo deutlich unter der angestrebten Marke von 5 min/km und nach der ersten von drei Runden auf Zollverein wusste ich, dass ich mit einer neuen Bestzeit nach Hause gehen würde, für alles andere war ich einfach zu gut drauf. Der Silvesterlauf ist echt ein Highlight, die Strecke ist einfach wunderschön und die Zuschauer tun ihr übriges dazu, dass der Lauf zu einem wunderbaren Erlebnis und einem tollen Jahresabschluss wird. Im Ziel stoppte die Uhr dann bei 45:42 und ich hatte „mal eben“ 4 Minuten und 18 Sekunden von meiner 10-km Bestzeit genommen,  unglaublich.

Insgesamt bin ich 2012 1576 km gelaufen, das macht einen Schnitt von gerade mal 30 km in der Woche und ist damit nur eine leichte Steigerung gegenüber 2011 mit 1489 Jahres-km bzw. 29 Wochenkilometern. 2012 war ein sehr erfolgreiches Jahr für mich, ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, neue Erfahrungen gewonnen und mich sportlich weiter verbessert.  Aber nicht nur sportlich war 2012 ein Erfolg für mich, auch wenn ich über die Weihnachtszeit wieder etwas zugenommen habe, hat die Waage am 31.12. 89 kg angezeigt, 2012 habe ich also 18 kg abgenommen und bin mit einem insgesamt Gewichtsverlust von über 30 kg mehr als zufrieden!

10. Metrogroup Marathon – Der Bericht

Ja, wo soll ich nur anfangen bei so einem Bericht? Da bereitet man sich Wochen auf einen Wettkampf vor, läuft hunderte Kilometer zur Vorbereitung und auf einmal ist er da, der Tag X. Samstag, einen Tag vor dem Marathon war ich noch aufgeregt ohne Ende, die immer gleichen Fragen schossen mir durch den Kopf: „War die Vorbereitung gut genug?“, „Habe ich genug lange Läufe gemacht?“ und „Passt morgen alles zusammen?“ um nur einige zu nennen.

Sonntag morgen läuft dann erstmal alles nach Plan, meine Sachen habe ich am tag vorher schon rausgelegt, duschen, die obligatorische Tasse Kaffee am morgen, eine Schale Müsli, anziehen und los. Vor der Tür dann sofort der erste Dämpfer, in dem Moment in dem die Tür ins Schloss fällt merken Kathi und ich, dass wir uns gerade ausgeschlossen habe. Verdammt, wieso heute? Ich werde im Flur etwas lauter, wieso muss das ausgerechnet heute passieren? Nach kurzer Diskussion beschließen wir erstmal zu fahren und später den Schlüsseldienst zu rufen. Dummerweise liegt man Handy auch noch in der Wohnung, also gibt es heute dann kein Live-Tracking von mir…
Die Fahrt läuft wie geplant, ein Parkplatz direkt an einer Bahnhaltestelle ist auch sofort gefunden. Das Wetter stimmt absolut, es ist bewölkt und sieht nach Bestzeitenwetter aus, gut so, nach der Hitzeschlacht vom letzten Jahr habe ich keine Lust auf eine Wiederholung. Die Bahn befördert uns schnell auf die andere Rheinseite, von da aus geht sofort zur „Kreuzung“ von Kilometer 8/20, schon von weitem erkenne ich unser Teamfahrzeug.

Teamfahrzeug? Richtig, da war ja noch was… Samstag habe ich mich bei einem Verein angemeldet, dem Team Essen`99 und werde zukünftig von Ernst-Peter Berghaus (hier gibt es einen kurzen Artikel über ihn) trainiert. Für mich ist das ein absoluter Glücksfall und ich freue mich schon sehr über die gemeinsame Arbeit.

Angekommen halfen wir noch bei den letzten Aufbauarbeiten des „Streckenbelebungspunktes“ damit später richtig Stimmung aufkommt. Danach ging es dann erst im Laufschritt, dann auf dem Fahrrad zur Oberkasseler Brücke, hier war um 8:30 ein Treffen von Bekannten aus einem Laufsportforum angesetzt, es war echt schön die Menschen hinter ihren Benutzernamen in echt kennenzulernen. Ulli war zum Glück auch da, bis zuletzt war leider nicht klar ob Ulli hätte starten können oder nicht, zum Glück ging es aber nun, wir wollten schließlich zusammen starten und laufen! So langsam ging es in die Startblöcke, auf dem Weg dorthin habe ich noch Anja getroffen und ihr viel Erfolg für die Mission Sub4 gewünscht. Ulli und ich sortierten uns kurz vor den 4:30 Pacern ein. Einer der 4:30 Pacer war Jörg „Yogi“ Schranz, ein bekannterer deutscher Ultraläufer, bis zu diesem Tag kannten wir uns nur bei Facebook, vor dem Start bin ich dann noch schnell hin und habe auch mal in echt „Hallo“ gesagt. Ulli und ich wollten so eine Zielzeit von 4:20-4:30 anvisieren, starten wollten wir auf jeden Fall mit einem Pace zwischen 6:06-6:09 min/km.

Dann ging es los! Mit dem Startschuß setzten sich 4000 Marathonläufer in Bewegung und machten sich auf die 42.195 .km. Nach circa 2 Minuten hat sich das Feld soweit abgesetzt, dass man endlich über die Ziellinie läuft und es endlich los geht, jetzt zählt es! Die ersten Kilometer gehen schnell vorbei, Zwischeneiten bekomme ich heute eh nur bei Kilometer 10, 21.1, 30 und 40, mein Trainer hat mir verboten heute mit Pulsuhr zu starten, ich soll mich auf meinen Körper konzentrieren. Das Tempo von Ulli und mir ist gut und schon haben wir die ersten 5km hinter uns. Auch wenn die Temperaturen nicht sehr hoch sondern eher optimal sind fange ich sofort am ersten Verpflegungspunkt an zu trinken. Bei Kilometer 8 laufen wir das erste mal am Teamstand vorbei, noch ist alles super, es geht jetzt über die Oberkassler Brücke auf die andere Rheinseite, auf der Brücke kommt uns auf der anderen Seite die ersten Spitzenläufer entgegen, später dann noch Marian Blaszinski, Jan Fitschen, die Elitefrauen, Marc-Andre Ocklenburg und Anna Hahner.  Es ist unfassbar wie schnell die unterwegs sind, wir haben gerade mal 10 km hinter uns und die laufen gerade alle Richtung Halbmarathonmarke, echt unglaublich! Die 10km Marke passieren wir nach 1:01:07 und liegen damit voll auf Kurs von 4:20.

In Oberkassel sind die Straßen leerer als letztes Jahr, insgesamt sind nicht so  viele Menschen auf den Straßen unterwegs, die Wolkendecke hat anscheinend doch viele abgehalten sich an die Strecke zu stellen, schade eigentlich. Die Kilometer fliegen so dahin, ab Kilometer 17 habe ich auf einmal Probleme, meine hintere Oberschenkelmuskulatur schmerzt auf einmal und verkrampft leicht, egal weitermachen, Ulli motiviert mich und so ziehen wir weiter. Auf der Lueg-Allee ist wieder mehr los, die Menschen feuern einen an, das gibt zusätzliche Motivation. Als nächstes geht es wieder „bergauf“ über die Oberkassler Brücke, zum Glück haben wir dieses Jahr hier keinen starken Wind. Kurz vor dem Verpflegungsstand an Kilometer 20 muss ich Ulli laufen lassen, ich muss ein Stück gehen, die Muskeln tuen einfach zu sehr weh und es sind noch über 21 km bis ins Ziel. UIli dreht sich mehrfach um aber ich kann die Lücke zwischen ihm und mir einfach nicht füllen, es geht einfach nicht. Vielen Dank Ulli fürs mitziehen bis hierhin, ab hier kämpft jeder alleine und ich wollte dir echt keine Last sein (was ja auch gut war, dazu aber später mehr). Wie soll ich diese verdammte Strecke bitteschön noch laufen wenn es jetzt schon weh tut? Wozu war denn die Vorbereitung da? Nächstes mal gibt es viel viel mehr lange Läufe, soviel ist sicher!
Ich laufe weiter und passiere als nächstes meinen Teamstand und nehme die Motivation durch Kathi und Peter mit, direkt danach passiere ich die Halbmarathonmarke. 02:10:20, die 4:20 sind also theoretisch noch drinnen, praktisch weiß ich aber jetzt schon, dass das wahrscheinlich nichts wird, dazu habe ich jetzt schon zuviel Probleme. Bei Kilometer 22 gehe ich wieder ein Stückchen, danach laufe ich wieder und kämpfe mich von Kilometermarke zu Verpflegungsstand, immer wenn es nicht mehr geht gehe ich. Das schlimmste ist, dass ich echt einer der ersten Läufer bin die gehen müssen, Motivation sieht anders aus, wenigstens feuern einen die Zuschauer an und dank Namen auf der Startnummer höre ich immer wieder Zurufe a la „Komm Sebastian, weiter gehts, ist nicht mehr weit!“. Ab Kilometer 23 drehe ich mich immer wieder um und schaue mich nach den 4:30 Pacern um, noch sind sie aber nicht zu sehen, ich liege also noch immer auf Bestzeitenkurs, weiß aber auch ganz genau, dass der härteste Teil noch vor mir liegt. Etwa bei Kilometer 25.5 kommen die 4:30 Läufer angelaufen, zu meiner Verwunderung kann ich Jörg nirgendwo erkennen, seine Ballons scheint er an einen anderen Läufer abgegeben zu haben. Für einen weiteren Kilometer kann ich an die Gruppe hängen, danach muss ich sie wieder laufen lassen, ich kann nicht mithalten und muss wieder gehen. Egal was heute passiert, ich will finishen, die Gedanken vom Ausstieg sind nicht mehr da, aber es ist noch so unglaublich weit… Wieso kann ich einen Halbmarathon in 5:30 min/km ohne Probleme laufen, habe bei Distanzen über 21 km aber immer Probleme? Will ich „es“ vielleicht nicht genug?
Bei Kilometer 26.5 höre ich auf einmal von hinten wie „Komm Sebastian, langsam weiterlaufen!“. Wieso höre ich denn meinen Namen, ich habe doch hinten nichts auf meinem Trikot stehen? Als ich zur Seite schaue sehe ich Jörg, ohne Ballons ist er inzwischen alleine unterwegs. Mein Gott bin ich dankbar das Jörg hier ist, vielleicht sollte ich das kurz erklären:
Jörg ist Ultraläufer, er läuft also gerne mal Distanzen über 42.195 km, auch die TorTour de Ruhr, den längsten NonStop Ultralauf Deutschlands mit 230 km Länge (Einmal die Ruhr von Quelle bis Mündung in den Rhein) ist er schon gelaufen, eine kleine Übersicht gibt es hier. Als Ultraläufer kennt Jörg sich also mit den langen Distanzen bestens aus und ich hoffe davon etwas zu profitieren. Wir laufen also weiter und siehe da, es geht auf einmal wieder. Klar tut es immer noch weh, aber Jörg sagt mir, dass ich nicht an die Schmerzen denken sondern einfach langsam weiterlaufen soll und es funktioniert. Wir unterhalten uns und das macht es noch besser, ich bin abgelenkt und laufe einfach weiter. So bei Kilometer 28 haben wir auf einmal noch mehr Begleitung bekommen, Monika begleitet uns ab jetzt und wir laufen zusammen, das tut gut und stärkt einen Mental. Auch wenn es weh tut, weiterlaufen ist die beste Motivation und gleich haben wir die 3 vor den Kilometerzahlen stehen, ab da ist es quasi nur noch eine „Zollvereinrunde“ und gar nicht mehr weit.

Ab dem Moment wo wir in der Gruppe laufen läuft es bei mir viel besser, mir kommt es so vor, als lägen die Verpflegungspunkte dieses Jahr viel näher beisammen und das ist gut. Ab Kilometer 32 habe ich wenig Erinnerung an die Strecke aus dem Vorjahr, in der Düsseldorfer Innenstadt sieht für mich alles gleich aus. Unterwegs gabeln wir noch einen Läufer auf und ich motiviere ihn langsam mit uns weiterzulaufen. Auch wenn die Muskeln weh tun, es läuft wieder, ich werde teilweise sogar etwas zu schnell und muss mich bremsen um bei der Gruppe zu bleiben. Ab und zu gehen wir ein kurzes Stück, wir verfallen aber immer wieder in den Laufschritt, auch wenn wir nicht schnell unterwegs sind.
Die Sonne kommt etwas raus und ich erwische mich dabei wie ich auf einmal ein Lächeln auf dem Gesicht habe. Ab Kilometer 32 überholen wir etliche Marathonläufer, das motiviert zusätzlich und ich weiß, dass ich finishen werde, die Zeit ist mir egal, Hauptsache ankommen. Irgendwo bei Kilometer 34 sehe ich auf einmal Anja, ich erfahre nur, dass sie mit Magenkrämpfen ausgestiegen ist, sehr sehr schade wie ich finde, bei gesundheitlichen Gründen kann man aber leider nichts machen und der nächste Marathon kommt bestimmt.
Ab dem Medienhafen kenne ich mich wieder aus, Jörg schaut bei Kilometer 38.5 auf seine Uhr und sagt mir, dass ich vielleicht noch meine persönliche Bestzeit schlagen kann wenn ich jetzt etwas Gas gebe. Ich bedanke mich bei allen und laufe los. Bei Kilometer 39 ist dann nochmal unser Teamstand, Peter hat inzwischen den Stand hierhin verlegt um hier nochmal ordentlich Stimmung zu machen und alle Läufer auf den letzten 3 Kilometern zu motivieren.  Als er mich sieht läuft er ein Stück nebenher und macht Fotos.

Auf der Kö sind es dann nur noch 2 Kilometer und 195 Meter bis ins Ziel, inzwischen ist die Sonne komplett rausgekommen und es wird warm. Am letzten Verpflegungsstand nochmal Wasser, Iso und Cola genommen, weit ist es nicht mehr! Auch wenn ich versuche durchzulaufen muss ich immer wieder Gehpausen machen, die Stimmung auf der Kö ist genial und mir meine Gehpausen kurz vor dem Ziel schon fast peinlich.

Noch einen Kilometer, nochmal eine Anfeuerung von Peter und dann geht es runter zum Rhein und ich kann das Ziel sehen. Verdammt, wieso ist das noch so weit, war das Ziel letztes Jahr auch so weit weg? Zielgerade, nochmal beschleunigen, rechts am Rand unter den Zuschauern steht Kathi, dann geht es mit erhobenen Armen durchs Ziel,. die Uhr steht bei 04:46:51, wahrscheinlich habe ich damit meine PB leicht verpasst – auch egal. Ich gehe auf die Knie und küsse den Boden. Heute habe ich einen großen Kampf gegen mich gewonnen und eine riesengroße Lektion gelernt, vielen Dank dazu noch einmal an meinen Lehrer Jörg dafür.

Direkt im Ziel gibt es die Belohnung für die geschafften 42,195km, eine echt schöne Medaille mit einem kleinen beweglichen „Radschläger“ und natürlich bin ich stolz. Auf dem Weg in den Nachzielbereich halte ich Ausschau nach Jörg und bedanke mich nochmal bei ihm. Im Nachzielbereich gibt es dann erstmal ein Erdinger Alkholfrei und Berliner Ballen, ich treffe Ulli wieder, er hat es echt geschafft in dem Tempo durchzulaufen und hat seine persönliche Bestzeit pulverisiert und kam nach 04:20:05 ins Ziel, herzlichen Glückwunsch und absoluten Respekt  & Hochachtung hierzu! Hast du gut gemacht Ulli!

Vielen Dank an Kathi, Peter, Ulli, Jörg, Anja und alle anderen, ohne euch hätte ich das nicht geschafft. Vielen Dank auch für die ganzen Glückwünsche von euch, ihr seid echt toll!

42.195km, 04:44:19 (und damit 1 Minute 56 Sekunden an meiner Bestzeit vorbei), 6:44 min/km.

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem wir dann mit Hilfe eines Schlüsseldienstes wieder in die Wohnung konnten gab es für mich noch eine Überraschung nach der Dusche, 98.8kg ist klar unter 100kg und damit ein erstes großer Erfolg für das Projekt 85! Nur zur Erinnerung: Am 14. Januar habe ich noch stolze 107.5 kg auf die Waage gebracht, 8.7 kg sind also schon wieder weg dieses Jahr und 13.8 kg sollen noch folgen! Die Pizza Abends hatte ich mir trotzdem verdient…
Die nächsten Tage werde ich locker angehen, heute geht es noch schwimmen um die Muskeln aufzulockern, vielleicht kann ich Donnerstag oder so ja schon wieder eine vorsichtige Laufeinheit machen, richtig Muskelkater habe ich jedenfalls nicht. Ich freue mich schon sehr auf das kommende Training und Wettkampfjahr mit Trainer, genug Motivation für weitere Erfolge, auch wenn es „nur“ der Sieg über den inneren Schweinehund ist (vielleicht sogar der größte Erfolg von allen?!), ist jedenfalls da!

Ach ja, noch mehr Fotos gab es bereits hier

10. Metrogroup Marathon

Müde. 4:44:19 netto, damit keine neue PB. Morgen gibts einen Bericht, heute nur Fotos. Schön war es aber!


 

Eine gute Nachricht erwartete mich dann zuhause: Projekt 85 is on the way!

Auf neuen Pfaden

Immer nur das gleiche sehen ist langweilig, deswegen hatte ich mir überlegt ja auch mal wo anders laufen zu gehen und bin heute zur Schurenbachhalde in den Essener Norden gefahren, der Nordsternpark ist von da aus auch nur einen Steinwurf entfernt.

Wer die Schurenbachhalde nicht kennt, es ist eine alte Abraumhalde mit einer Höhe von etwa 50m. Die Halde wurde nach dem Ende des Kohlebergbaus in Essen renaturiert und ist heutzutage ein Industriedenkmal.

Ich habe mich für den Aufstieg gegen die Treppen entschieden, ich wollte ja schließlich laufen, für mich ging es also etwas planlos erstmal um die Halde rum, ich habe einen Weg nach oben gesucht und auch schnell einen recht steilen gefunden.

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Wenn man die Halde erstmal bezwungen hat erreicht man ein riesiges Schotterplateau in dessen Mitte als Landmarke die „Bramme für das Ruhrgebiet“ steht, eine 15m hohe Skulptur des amerikanischen Künstlers Richard Serra.

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Der Ausblick von da oben ist einfach genial, der ganze „Ruhrpott“ liegt einem zu Füßen. Ich hatte nicht erwartet, dass es da oben so windig war wie es dann war 🙂

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Ich habe da oben nur schnell ein paar Fotos gemacht und bin dann weiter gelaufen. Nachdem ich recht schnell auf die Halde raufgekommen war wollte ich nun etwas langsamer und mit mehr Strecke wieder hinunter, also ging es auf den Breiten wegen bergab. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Trails, die einem den Abstieg von oben erleichtern und so folgte auch ich ihnen auf dem Weg nach unten

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Ich kann euch gar nicht beschreiben wie ich mich gefühlt habe, es hat einfach alles gepasst. Das Tempo war perfekt zu laufen, ich habe es gar nicht so richtig gemerkt sondern einfach getan, die Sonne schien und wärmte mich leicht, es war nicht zu kalt oder warm, es stimmte einfach alles.

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Nachdem ich wieder unten war ging es jetzt in Richtung Nordsternpark, ich folgte einfach den Fahrradwegweisern und war recht schnell am Rhein-Herne-Kanal (komplett zugefroren!) und damit auch am Nordsternpark. Wer noch nie da war und hier aus der Gegend kommt sollte dem Park mal einen Besuch abstatten, er ist ganzjährig geöffnet und kostenlos und es lohnt sich.

Jeder Schritt war ein Genuß, die Landschaft ist so toll, ich habe einfach abgeschaltet und habe alles was ich sah aufgesaugt, niemand würde so eine Schönheit im Ruhrpott erwarten…

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Eine der Wiesen war geflutet und jetzt eine Eisfläche auf der mehrere Menschen mit Schlittschuhen umherschlitterten.

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MItten im Park ist eine Pyramide die ich natürlich auch erklimmen musste um den Ausblick zu genießen.

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Danach ging es so langsam wieder in Richtung Auto, erst noch ein auf eine weitere kleine Halde und danach an der Emscher entlang zurück zur Schurenbachhalde. Der Lauf heute war einfach perfekt!

11.78 km, 1:14:12, 6:18 min/km, ø HF 147bpm, 113 positive Höhenmeter

Fast schon wieder ein Weltrekord…

Heute war der 30. Frankfurt Marathon und ich habe mir für 10 Uhr einen Wecker gestellt um mir das Rennen anzusehen. Wilson Kipsang, der Vorjahressieger und Streckenrekordhalter (2:04:57), hatte angekündigt, den Weltrekord auf der schneller Strecke in Frankfurt anzugreifen. Das ganze Rennen und die Übertragung waren total spannend und genial, der HR hatte zum Glück auch bei den deutschen Spitzenläufern Kameramotorräder positioniert, für die deutsche Spitze ging es heute immerhin um die Olympiaqualifikation 2012. Die Normen hier: 2:12 bei den Herren, 2:30 bei den Damen.

Andre Pollmächer war hier der aussichtsreiche Kandidat aus deutscher Sicht, bei den Damen wollten Sabrina Mockenhaupt und Susanne Hahn die Norm des DLV packen. Die Herrennorm des DLV wurde in der Laufszene ausgiebig diskutiert, die Norm ist schon sehr niedrig und wurde die letzten Jahre von keinem deutschen Läufer unterboten. Viele können nicht verstehen wieso der DLV eine 2:12 vorgibt wenn das IOC nur eine 2:17 fordert. Die Frauennorm von 2:30 hingegen wurde als fair angesehen, es würde auch abseits der Spitzengruppe spannend werden!

Nach spätestens 10km war klar, dass die Spitzengruppe um Wilson Kispang den Weltrekord in Reichweite hat.

Bis zum Halbmarathon sah es für Andre Pollmächer noch gut aus, er lag knapp unter der Norm und hatte eine erwartete Zielzeit von knapp unter 2:12, danach wurde er aber leicht langsamer. Mockenhaupt und Hahn lagen gut in der Zeit und sollten klar die Norm packen. Jan Fitschen lag auch noch auf gut im Tempo, er wollte nach seinem Debüt in Düsseldorf dieses Jahr (2:20) in Frankfurt erst einmal eine 2:15 laufen und nicht direkt die Norm angreifen.

Nachdem bei Pollmächer der letzte Pacer ausstieg wurde er langsamer, als Günter Weidlinger dann zu ihm aufschloss stieg Andre nach über 35 km aus, zu diesem Zeitpunkt hatte er erwartete Zielzeit von 2:12:35. Sehr sehr schade für Andre, ich hatte für ihn gehofft, dass er es sein Olympiaticket lösen kann.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Wilson Kipsang schon einige Kilometer vorher vom Rest der Spitzentruppe gelöst und war ganz ganz knapp auf Weltrekordkurs, es würde aber knapp werden! Nachdem der Weltrekord ja erst vor kurzem in Berlin auf 2:03:38 verbessert wurde konnte ich nicht mehr ruhig sitzen bleiben, für mich waren die letzten Kilometer von Kipsang nervenaufreibend! Auf den letzten paar hundert Metern war es immernoch sehr sehr spannend, im Ziel stand eine 2:03:42 auf der Uhr, gerade mal 4 Sekunden, Kipsang war also nur 0.01 km/h langsamer als Patrick Mackau in Berlin (Makau lief 20.48 km/h, Kipsang 20.47km/h), ein Wimpernschlag über diese Distanz!

Ich finde es echt unglaublich, was die Weltspitze da abfackelt, die laufen einen Schnitt von 20.48 km/h (Makau in Berlin) oder auch 2:55 min/km, ich laufe das Tempo nichtmal auf einen 400m, 800m oder einen Kilometer!

Bester deutscher wurde Jan Fitschen mit einer 2:15:40, er wurde 32. insgesamt und belegte einen 7. Platz seiner Alterklasse.

Sabrina Mockenhaupt kam mit 2:28:08 ins Ziel und löste damit ein Olympiaticket, genau wie Susanne Hahn mit 2:28:49.

Für die deutschen Herren wird es jetzt schwer mit London 2012, vielleicht schafft es noch einer bei einem Frühjahrsmarathon, ich persönlich denke aber, dass es sehr sehr schwer wird, ich traue es Andre Pollmächer trotzdem zu, Fitschen wird es schwer haben sich nochmal um knappe 4 Minuten zu steigern, in dieser Leistungsklasse sind das schon fast Welten. Andere deutsche sehe ich im Frühjahr keine 2:12 über die Marathondistanz laufen… ich bin da ja auch noch etwas von entfernt. 😉

365 Tage – Vor einem Jahr lief ich los in mein neues Leben

Ein erstes Training…

Ich war heute Abend das erste mal laufen und es fühlt sich gut an.

Letzte Woche war ich schon 2x beim Handballtrainig und musste stark mit meiner Kondition kämpfen, aber so ist das halt wen man nach Jahren wieder Sport macht.

Heute waren es 3.28km direkt in meiner Nachbarschaft.

Trainingsbeginn: 19:31:48 Uhr Trainingsdauer: 00:26:12 Std. Distanz: 3.28 km Geschwindigkeit: 7.5 / 39.5 km/h Pace: 7:59/km [8 min/km]   

Zu sehen gibt es das ganze hier:

http://trainingstagebuch.org/public/show/525056

Ein erstes Anfang ist also gemacht…

Als ich vor genau 365 Tagen diesen (insgesamt zweiten) Eintrag in meinen Blog schrieb, hatte ich keine Ahnung, was ich da gerade losgetreten hatte. Ich wusste nur, dass der erste Schritt auf dem Weg in ein neues Leben getan war, so war zumindest der Plan, wie genau der Weg aussehen würde wusste ich nicht.

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Vor noch einem Jahr war der Gedanke, dass ich in meinem Leben mal einen Marathon laufe, nicht mehr als eine absurde Idee. Überhaupt war „Laufen“ etwas, dass scheinbar überhaupt nicht in mein Leben passte, wie denn auch? Ich rauchte fast 2 Schachteln Zigaretten am Tag, hatte jahrelang keinen Sport getrieben und wog fast 120 kg.

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You can do it. All you have to do is do it. —?Ben Davis

Der Mann, von dem dieses Zitat stammt, habe ich meine Inspiration zu verdanken. Zwei, vielleicht drei Wochen vor meiner ersten Laufeinheit hatte ich dieses Video gesehen und war tief beeindruckt:

„Wenn dieser Typ es schafft kann ich das auch!“ hatte ich gedacht, ich war fest entschlossen seinem Beispiel zu folgen, ich musste es nur machen um es zu schaffen und erstaunlicherweise machte es mir ja sogar Spaß, ich lernte das laufen zu lieben.

Wenn ich mich heute umdrehe und auf den Weg des letzten Jahres zurücksehe, schaue ich vor allem mit Stolz zurück und ich glaube, dass ich schon stolz auf mich sein darf.

Ich habe durchgehalten, fast 20 kg an Gewicht verloren, bin über 1500 km gelaufen und habe inzwischen 2 Marathons gefinished, von den anderen Wettkämpfen ganz zu schweigen. Ich habe mich durchgekämpft und es geschafft, ich habe meinen Traum ein Stück weit selbst verwirklicht und etwas geschafft, was ich mir niemals im Leben zugetraut hätte.

You can do it. All you have to do is do it. —?Ben Davis

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Recht hat er. Jeder kann es schaffen! Tue was du liebst und glaub an dich selbst, der Rest ist Geschichte. Natürlich war das ganze Jahr nicht nur Zuckerschlecken und hinter allem was ich erreicht habe, liegt eine Menge Arbeit, Schweiß und manchmal auch ein paar Tränen. Sich Tag für Tag die Laufschuhe zu schnüren und bei Wind und Wetter seine Kilometer abzuspulen, egal ob es draußen -5°C oder +30°C sind, egal ob es regnet, stürmt, Tag oder Nacht ist, kostet manchmal Überwindung, vor allem macht mir das Laufen aber Spaß.

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Durch den Gewichtsverlust habe ich ein für mich vollkommen neues Lebensgefühl bekommen, ein neues Selbstvertrauen welches ich früher nie wirklich hatte wenn es um mein Aussehen ging. Natürlich möchte ich immer noch abnehmen, 15 kg sollen es nochmal werden und das ganze werde ich im zweiten Jahr auch dementsprechend angehen, aber das erreichte ist doch schon enorm, vor allem weil ich es mir selber erarbeitet habe. Ich habe mit dem Laufsport etwas in meinem Leben, was mir soviel gibt und was so ehrlich zu mir ist. Wenn ich nicht genug oder falsch trainiert habe, merke ich das im nächsten Wettkampf wenn der Körper nicht so will wie man selbst. Man muss stetig hart arbeiten um besser zu werden, aber die Arbeit zahlt sich auch aus. Als ich vor genau einem Jahr mir mit dem Laufen anfing, hatte ich gar keine Ausdauer, doch das wurde schnell von Trainingseinheit zu Trainingseinheit besser und der Fortschritt schnell sichtbar, der Schlossquelle-Lauf war ja direkt ein schneller Erfolg für mich – 7 Tage nach Beginn den ersten Wettkampf gefinished.

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Ich erinnere mich noch genau, dass mir im Auto auf dem Heimweg die Tränen kamen als ich alle nach Hause gebracht hatte, ich glaube, dass ich damals bereits irgendwie verstanden habe, dass mein Leben eine neue Richtung nehmen wird.

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Mein Leben und ich haben sich geändert und ich glaube fest daran, dass ich jetzt ein besserer Mensch bin, der positiver auf sein Leben und sich selbst schaut und diesen neuen Optimismus auch ausstrahlt. Wenn ich mir alte Fotos von mir ansehe, erkenne ich mich teilweise in denen gar nicht mehr wieder sondern sehe nur mein altes ich.

Nach den ersten kurzen Wettkämpfen ging es 2011 (nach überstandener Verletzung) dann auf die längeren Distanzen. Mit der Winterlaufserie des ASV Duisburg ging es zusammen mit Sven & Tobi erst auf 10km, ein paar Wochen nachdem ich wieder laufen durfte.

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Ende Februar dann nur noch mit Sven auf die 15 km (Tobi musste den Rest der Serie verletzungsbedingt aussteigen) und dann Ende März auf die Halbmarathonstrecke, welche ich in unglaublichen 01:47:41 absolvierte!

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Im April ging es dann mit spezieller Marathonvorbereitung weiter, ich hatte beschlossen den Düsseldorf Marathon zu laufen also gingen es mit langen Läufen weiter und ich erlebte wunderschöne Momente beim Laufen.

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Am 8. Mai 2011 habe ich mich dann in Düsseldorf in 4:49:44 durch die Hitze gequält und meinen ersten Marathon gelaufen, ein ganz besonderer Moment in meinem Leben. Ich habe gelernt, dass man alles schaffen kann wenn man will.

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Alle Ziele, die ich mir gesetzt hatte, habe ich erreicht – und nach wie vor keine neuen aufgestellt, dies wird aber sicherlich in den nächsten Tagen kommen.

Vergleich

Im Sommer ging es mit verschiedenen Unterdistanzen weiter und vielen schönen Wettkämpfen.

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Die Vorbereitung für meinen zweiten Marathon Berlin war stellenweise hart aber trotzdem schön.

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Berlin war dann ein absolutes Highlight, 2 Marathons in einem Jahr zu laufen macht mich unglaublich stolz. Ich habe mir einen Traum erfüllt und etwas geschafft, was ich niemals für möglich gehalten hätte.

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Ich freue mich auf alles was noch kommen wird in meinem neuen Leben. Am Ende möchte ich noch allen Unterstützern danken, vielen Dank für die super Unterstützung von Anfang an – vor allem durch meine Freunde, meine Familie und nicht zuletzt durch Katharina, meine wundervolle Freundin, die ich sehr liebe. Jedes mal wenn jemand von euch mit mir laufen war, mich angefeuert hat, meine Beiträge kommentiert oder einfach nur angesehen hat, jedes herzliche Wort hat mir auf meinem Weg geholfen, vielen Dank! Zur Feier des Tages gehe ich gleich laufen und ich werde jeden Schritt genießen – so wie mein neues Leben.

Edit:

01:11:12 Std., 13.38 km, 5:21 min/km.

Es hat den ganzen Weg über geregnet und ich habe jeden Schritt genossen. Es war toll durch den Regen zu rennen und über das vergangene Jahr nachzudenken – Eine Sache ist mir auch noch aufgefallen: Ich lächele und lache nun mehr als vor einem Jahr. 🙂

38. BMW Berlin Marathon – 42.195 km Party am Streckenrand

Tja, wo fange ich an?
Als mein Wecker um 6 klingelte konnte ich mich nicht sofort überwinden aufzustehen sondern blieb noch ein paar Minuten liegen. Schnell duschen, anziehen, nochmal alles überprüfen um nichts zu vergessen, Kathi nochmal einen Kuss gegeben (sie kam direkt zum Start) und dann gings los. Mit der U-Bahn gings zur Haltestelle Friedrichsstraße, in der Bahn hörte ich zur Beruhigung Musik und traf auf die ersten anderen Marathonis. Als ich an der Friedrichsstr aus der U-Bahn kam war es schon ein gewaltiges Schauspiel, hunderte Läufer pilgerten zusammen zum Startgebiet um die Kleiderbeutel abzugeben und sich in die Startblöcke zu zwängen. Bei der Abgabe der Kleiderbeutel bekam man einen unglaublich kleidsamen Plastiksack der einen warm halten sollte. Im Startblock orientierte ich mich nach vorne zu den 4:00 h Pacern und wartete gespannt auf den Sieg. Man kann sich einfach nicht vorstellen wie viele Menschen da neben, vor und hinter einem stehen und unabhängig von den verschiedenen Zeitzielen doch das gleiche Ziel wie man selbst haben. Es war Wahnsinn. Punkt 9 Uhr fiel der Startschuss für die ersten Startblöcke und 10 Minuten später durften wir dann auf die Strecke. Es lag ein Knistern in der Luft und es fliegen einem tausende Gedanken durch den Kopf, hat die Vorbereitung gereicht, fühlt man sich gut etc. Direkt nach dem Start ist noch ein sehr großes Gewusel auf der Strecke und ich hatte Probleme an den 4h Pacern zu bleiben, so voll war es. Mein Plan für das Rennen war ja auch mit denen ins Ziel zu laufen und damit knappp unter 4 h zu bleiben. Nach circa 6.5 km in der Höhe des Kanzleramtes und Reichtags entzerrte sich das Feld ein wenig und es wurde einfacher direkt an den Pacern zu bleiben. Es fühlte sich alles gut an und lief, das Wetter war gut, die Beine waren gut, alles okay könnte man denken aber schon hier war mein Puls zu hoch. Bei meinen 32km Trainingslauf am Rhein lag ich bei ca. 6 min/km bei nem Puls von 145-155, jetzt war ich bereits bei 168 und das, obwohl ich nur 20 Sekunden schneller war pro Kilometer. Die nächsten Kilometer waren gut, ich trank an den Verpflegungsstationen und es lief. Ich weiß nicht genau wann, aber nach circa 12 Kilometern bemerkte ich, dass ich Gänsehaut und kalten Schweiß auf meinen Armen hatte, kein gutes Zeichen. Ein Blick auf meine Pulsuhr verriet mir, dass meine Herzfrequenz nach wie vor zu hoch war, auch wenn ich versuchte durch ruhiges aAtmen meinen Puls nach unten zu bringen. Bei Kilometer 14 musste ich die Pacer dann ziehen lassen, mein Puls hatte inzwischen 180 erreicht und ich bekam es ein wenig mit der Angst zu tun, normal war das nicht,im Training hatte das immer besser geklappt, deswegen beschloss ich meine Puls durch etwas gehen nach unten zu bringen. Das Spielchen zog sich dann weiter, sobald mein Puls wieder zu hoch wurde (also über 175) ging ich ein Stück. Ich habe keine Ahnung wieso ich heute meine Form nicht finden konnte, ich denke aber, dass eine aufziehende Erkältung Schuld sein könnte am hohen Puls, aber da macht man nichts.
Die Halbmarathonmarke passierte ich nach 2:07, mein Zeitziel von 4h hatte ich aber schon bei Kilometer 15 abgeschrieben. Hauptsache gesund durchkommen und hoffentlich schneller als in Düsseldorf sein, war alles was ich wollte. Die Stimmung an der Strecke war übrigens die ganze Zeit grandios, die Berliner sind echt verrückt und feiern und feuern an was das Zeug hält, aber insgesamt waren auch viele ausländische Gruppen an der Strecke um ihre Freund und verwandten anzufeuern, bei über 40000 Startern aus über 125 Nationen kommt da einiges zusammen. Absoluten Respekt für die Stimmung an der Strecke Berlin. Kurz nach Kilometer 27 sah ich Kathi mit Plakat am Streckenrand, das einzige mal bis zum Ende des Rennens, was aber eher an mir und meinem Tunnelblick lag, Kathi hat mich noch öfter gesehen. Auf einmal taten die Muskeln in den Beinen weh aber das kannte ich ja bereits. Die Gehpausen wurden länger, auch wenn ich versuchte es nicht allzusehr einbrechen zu lassen, es lief aber alles andere als rund. Kilometer für Kilometer kämpfte ich mit den Schmerzen und der Frage, wieso ich den Scheiß mir hier eigentlich antue. Am wilden Eber war die Stimmung bombastisch und hier war ich bei n-tv zu sehen, ich dachte ab sofort von Kilometer zu Kilometer und Getränkepunkt und Getränkepunkt. Es war hart und schwer, ein absoluter Kampf. Bei Kilometer 32 waren es doch nur noch 10 Kilometer, ein lockerer Trainingslauf über Zollverein, das war genau das, was ich mir selber einzureden versuchte, es klappte aber leider nicht so recht, die Schmerzen waren doch stark. Bei Kilometer 35 waren wir auf dem Kudamm und die Kilometer verstrichen nur langsam. Es war nicht mehr weit und eine neue Bestzeit war in greifbarer Nähe, nicht nachlassen Sebastian, nicht nachlassen. Alexanderplatz folgte und damit waren es nur noch 4 Kilometer. Als ich ein Stück gehen wollte, lief auf einmal ein Zuschauer neben mir und feuerte mich an, ich sollt weiterlaufen, es sei nicht mehr weit. Einfach super sowas. Kurz nach Kilometer gab es nochmal Wasser und dann ging es bald schon auf das letzte Teilstück, „Unter den Linden“.
Nur noch einen Kilometer, nicht aufgebeben, immer weiter Schritt für Schritt. Im Hintergrund war schon das Brandenburger Tor zu sehen und es kam immer näher. Jetzt wurde nicht mehr gegangen, einfach weiterlaufen. Das Brandenburger Tor kam näher und es wa wunderbar, Zuschauer rechts und links die schrein und klatschen was das Zeug hält. Ich hatte mir oft ausgemalt wie es wohl ist durch das Brandenburger Tor zu laufen und es war anders. Es war viel emotionaler als ich gedachte hatte, ich hatte Tränen in den Augen. All das, was im letzten Jahr passiert ist schoß mir auf einmal durch den Kopf. Vor nichtmal einem Jahr war an das nicht zu denken, ich hätte mir das nie erträumt. Direkt danach ging es auf die Zielgerade, noch 400m, noch einmal das Tempo anziehen, Tunnelblick total und dann war es geschafft! Ich hatte Berlin bezwungen und meinen zweiten Marathon mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 4:42:24 gefinished! Direkt nach dem Zieleinlauf gab es die Medaille und ich hängte sie mir mit Stolz um. Im Nachzielbereich trank ich etwas, nahm dankdend den Verpflegungsbeutel an und setzte mich erstmal auf den Rasen im Tiergarten um ein paar Minuten runterzukommen. Anschließend holte ich meinen Kleiderbeutel ab und traf mich mit Kathi vor Starbucks die mir um den Hals fiel. Wir stellten uns an die Strecke um weitere Läufer anzufeuern die nach wie vor liefen. Absoluten Respekt vor jedem Läufer, egal wie alt oder jung, dick oder dünn, groß oder klein, schnell oder langsam. Was man bei einem Marathon bewältigt ist einfach der Hammer!

42.195 km, 4:42:23, 6:40 min/km, 21095. Platz, 1987. in meiner Altersklasse.

Auch wenn ich schon ein wenig enttäuscht bin, dass ich mein Zeitziel loslassen musste, war es doch ein toller Wettkmapf, der auch noch Spaß hat, trotz aller Schmerzen. Ich bin froh es geschafft zu haben und ich habe sogar 7 Minuten und 21 Sekunden von meiner Bestzeit abschneiden können, beim nächsten Mal geht bestimmt noch mehr (mit noch mehr Training 😉 ).

Vielen Dank an Kathi für die Geduld mit mir und meinem Training, für das ertragen meiner Launen und für das mitkommen nach Berlin und den Support hier vor Ort, du bist einfach die Beste!
Vielen aber auch an alle, die mir im Vorfeld Mut zugesprochen haben haben, die mich die ganze Zeit über unterstützt haben und vielen Dank für die vielen Glückwünsche, ihr seid alle super und ich bin froh euch zu haben!

4:42:23

Offizielle Zeit: 4:42:23

Hier erstmal Fotos:

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berlin_urkunde.pdf
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Wieso müssen lange Läufe nur so weh tun?

Heute stand ja der angekündigte lange Lauf auf dem Programm, der längste Lauf meiner Berlinmarathonvorbereitung. 35 km sind ja nur 7.195 km weniger als ein voller Marathon und damit eine Distanz, die die meisten Mensche niemals laufen werden. 35 km sind im Training einfach nur eine Qual, irgendwann tut es nur noch weh und alle Menschen, die was anderes erzählen, sagen einfach nicht die Wahrheit (abgesehen von Ultraläufern vielleicht, die Laufen zum Spaß ja auch mal 100 km am Stück).

Dazu kam dann noch das Wetter: „Endlich mal Sommerwetter!“ haben sich heute sicherlich viele gedacht, ich mag die Sonne und die warmen Temperaturen generell ja auch. Als ich heute morgen aufgewacht bin, wusste ich aber schon, dass es bei Temperaturen von 25-30°C für mich eine Qual werden würde, ganz ähnlich wie beim Düsseldorfmarathon. Zum Laufen hätte ich mir auf jeden Fall 13°C und Wolken gewünscht, das macht das alles ein wenig angenehmer.

Vor dem Laufen habe ich mich gewogen, da zeigte die Wage 103.6 kg an, wieso das wichtig ist erkläre ich später.

Mit Trinkflaschen ging es los, erstmal eine Zollvereinrunde „verkehrt herum“, nach den ersten 12 km war auch noch alles okay. Danach bin ich dann auf dem Bahndamm unterwegs gewesen, habe auf dem Rückweg dann einen Abstecher über Borbeck gemacht und war dann nach knappen 27.5km das zweite mal am Auto um Wasser zu tanken. Schon ab Kilometer 25 hatte ich ein  wenig zu kämpfen, irgendwann fängt es einfach an zu schmerzen und die Schmerzen gehen auch bis zum Schluss nicht mehr weg, ab da waren es ja auch „nur“ noch 10 km. Auf die letzte Runde ging es dann auf jeden Fall Richtung Ernestinenstr. mit Verlängerung über die Stadt. Ab dem 30. Kilometer hatte ich mit einem leichten Schwindelgefühl zu kämpfen und ging in einen Laufen-Gehen-Mix über. Nach 33.67 km war ich wieder am Auto und am Ende meiner Kräfte und hörte also auf.

03:40:29 Std., 33.67 km, 6:31 min/km, Ø HF 156, 3611 kCal verbrannt

Mit dem Pace und dem gesamten Lauf bin ich zufrieden, für die heutigen Bedingungen war es echt gut, hoffen wir mal in Berlin auf kühlere Temperaturen.

So, nochmal zum wiegen, ich habe wirklich sehr viel geschwitzt (wie man sich bei dem Wetter denken kann), deswegen habe ich mich nach dem Duschen nochmal gewogen:

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Ich habe beim Laufen 4.6 kg abgenommen, obwohl ich über 2.5l Wasser nachgetankt habe beim laufen! Ich bin also wieder ein Uhu! Wie sehr ich geschwitzt habe kann man an meinem Laufshirt sehen, die Salzflecken sind auf jeden Fall nicht ohne 🙂

Da es bis jetzt nur eine Banane zum Frühstück gab (okay und 2 Gels unterwegs mit jeweils ca. 110kcal), habe ich mir die hier auf jeden Fall verdient und brauche nichtmal ein schlechtes Gewissen zu haben.

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Ich lege jetzt die Beine hoch und genieße den Rest des Abends. Berlin kann langsam kommen…

12 km im Marathontempo

So, gerade von einem 14.79 km Lauf wiedergekommen. Aufgabe für heute war: 2 km Einlaufen, 12 km im angestrebten Marathontempo, 2 km Auslaufen. Das Auslaufen habe ich verkürzt weil mir Strecke fehlte, ich hatte mich etwas verschätzt 🙂

14.79 km, 1:22:10, 5:33 min / km.

Angestrebt hatte ich einen Pace von 5:40 min/km, das würde über 42.195 km eine Zeit von 3:59:06 ergeben , also eine knappe Sub 4. Ob ich das wirklich durchziehen kann ist eine andere Frage, für heute war es aber die richtige Wahl. Das es schneller geworden ist als geplant liegt wohl an meinem Laufeifer zur Zeit. Strecke war übrigens der RVR Bahndamm mit Schleife am Ende. Sonntag geht es dann auf 32 km die ich wohl in Düsseldorf am Rhein laufen werde, dort soll es nämlich im Gegensatz zu Essen nicht regnen und über 3 h durch den Regen zu laufen macht keinen Spaß.

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